Bücher

Eine Reise später
Roman

 

„Schmied, wir sind heute mit Koffern unterwegs …“

„… Rollkoffern …“

„… von mir aus: Rollkoffern, wir speisen in guten Restaurants und übernachten in Hotels, die wir erst buchen, wenn wir das Zimmer gesehen und die Matratze geprüft haben …“

„… du, du prüfst die Betten …“

„… wir übernachten in Hotels mit hohem Komfort, damit wir unsere kleinen Blessuren des Lebens in einer gewissen Intimität pflegen können, also kurz und gut, lass uns ein Auto mieten.“

„Wie?“ Schmied griff nach einem Galet.

„Lass uns ein Auto mieten!“

„Aber, wir wollten … wir wollten doch alles genau gleich machen wie vor dreißig Jahren. Bahn, Bus, Autostopp!“

„Autostopp? Spinnst du oder denkst du im Ernst, dass jemand zwei Fünfzigjährige mitnehmen würde, die mit Rollkoffern am Straßenrand stehen und den Daumen raushalten?“

 

«Eine Reise später», Braumüller Verlag, Wien
Hardcover, 200 Seiten,
ISBN 978-3-99200-141-5

 

 

Polarrot
Roman

„Einen politisch derart unkorrekten Helden hat die Schweizer Literatur kaum je gesehen: Patrick Tschans Jack Breiter ist ein Hochstapler und ein Großmaul, er schmuggelt Geld und Gold und Menschen und schreckt auch nicht davor zurück, den Nazis das Rot für ihre Hakenkreuzfahne zu verkaufen -Tschan macht großes Kino.“ Alex Capus

„Jack Breiter hatte heute Nacht hoch verloren: Geld, Stelle, Kost, Logis, Gesicht, Ansehen. Morgen, fieberte er, würden sie ihn teeren und federn, auf eine gewachste Eisenbahnschwelle der rhätischen Bahn binden und unter dem Gejohle der Einheimischen und zum Gaudium der gutbetuchten Feriengäste die Bobbahn hinunterlassen.“

1929: Jack Breiter ist alles andere als ein Glückskind. In eine arme Schweizer Bauernfamilie geboren, will er unbedingt nach oben. Erst als glückloser Heiratsschwindler im noblen Palace Hotel in St. Moritz, später als Handelsvertreter beim Chemiekonzern Gugy. Zunächst mit glänzendem Erfolg: Dank des Reichsbeflaggungsgesetzes von 1935 verkauft Breiter Hektoliter um Hektoliter der Farbe „Polarrot“ für die Hakenkreuzfahne. Er wird rasch zum Starverkäufer der Firma. Doch dann verliebt er sich in die Frau seines Chefs, eine Halbjüdin, und lässt sich ihr zuliebe auf ein riskantes Goldschmuggel-Unterfangen ein. Prompt wird Breiter ertappt – und plötzlich ist es mit dem Spaß vorbei…

Patrick Tschans Helden Jack Breiter muss man als Leser lieben: für seinen Einfallsreichtum, seine Hinterlist, seinen unbändigen Überlebenswillen, der uns auf jeder Seite aufs Neue überrascht. Am Ende bleibt die Frage: Wer schuldet wem was?

 

„„Polarrot“ ist Bildungs-, Entwicklungs- und Schelmenroman und geht dergestalt erfreulich unambitioniert in den Spuren von Thomas Manns „Felix Krull“ … mit Witz, Ironie, Spannung und ohne moralischen Zeigefinger erzählt.“ (Thomas Medicus, DIE WELT)

„Dass diese Geschichte das Verhalten der Schweiz im Zweiten Weltkrieg wunderbar leichtfüßig illustriert, ist ein weiteres Verdienst dieses erstaunlichen Romans.“ (Peer Teuwsen, DIE ZEIT)

 

Polarrot, 2012, Braumüller Verlag, Wien
Polarrot, 2014, Piper Taschenbuch

Auch als Ebook erhältlich

 

 

 

Keller fehlt ein Wort
Roman

Ralph Keller, 46, Kommunikationsberater, humorvoll, sprachgewandt, mitten im Leben stehend, stellt eines Tages fest, dass er Wörter verliert. Ganz normale Wörter wie „Tasse“, „Engländer“ oder „Klemme“ sind plötzlich nicht mehr da. Er weiß zwar um ihre Begrifflichkeit, aber dem aktiven Wortschatz sind sie entflohen. Wenig später verliert er die Gabe zu sprechen ganz. Die Diagnose: Aphasie, Sprachverlust; Krankheitsverlauf unklar, medikamentöse Behandlung wirkungslos, Therapieverlauf ohne feste Erfolgsaussichten. Verständigungsschwierigkeiten machen den Alltag für Keller zum Spießrutenlauf – Einsamkeit, Scham, Wut und Verzweiflung sind die Folge. Doch Keller wäre nicht Keller, würde er den Kampf nicht aufnehmen … wenn nötig, auch mit ungewöhnlichen Mitteln. Patrick Tschans sympathischer Protagonist verliert mit einem Schlag die bislang selbstverständliche Herrschaft über sein verbales Handwerkszeug und damit seine Lebensgrundlage. Das Buch ist die teils tragische, teils surreale, teils absurd komische Chronik eines Zurückkämpfens, wie sie in dieser Form noch nie zu lesen war.

„Sehr gekonnt formuliert Tschan den Verlust und die Wiedergewinnung der Sprache, und macht das erfreulicherweise nicht sturzbetroffen, sondern mit trockenem Humor. Ein eindrücklicher Roman, dessen herkulisch mit der Sprache ringende Hauptfigur man so schnell nicht vergisst.“ (Wolfgang Bortlik, 20 Minuten, 01.02.2011)

 

„Patrick Tschans Trumpf in diesem Roman ist sein Protagonist, dem man regelrecht zurufen möchte, was ihm entfallen ist. Und für dieses literarische Kunststück sollte man „Bravo“ sagen. Solange wir es noch können.“ (Christian Stiegler, FM4, 03.02.2011)

„„Keller fehlt ein Wort“ ist ein Roman mit viel Humor und treffsicherem Sinn für Situationskomik – und es ist nicht zuletzt dieser Humor, der das Thema Sprachverlust für den Leser erträglich macht. Ein souveränes Romandebüt über ein schwieriges Thema.“ (Gerwig Epkes, SWR2)

„Das wohl Zentrale an diesem Buch ist, dass Tschan für diese Sprachlosigkeit eine Sprache und Form findet. Das, was die Patienten nicht schaffen, kreiert die Literatur. Es erinnert an Italo Calvinos Roman „Das Schloss, indem sich die Schicksale kreuzen“. … ein einfühlsamer und mehrschichtiger Roman … Der Autor zielt weniger auf Mitleid; er schafft es, mit Keller eine sympathische Figur mit seinen Stärken und Schwächen würdevoll zu entwickeln.“ (Angelo Algieri, Die Berliner Literaturkritik)

„Faszinierender, gut geschriebener Roman über eine existenzielle Notsituation. Allen Bibliotheken empfohlen.“ (Günter Brandorff, ekz-Bibliotheksservice)

 

Keller fehlt ein Wort, Braumüller Verlag, Wien

Auch als Ebook erhältlich